Das Steuerreformhaus - Der Bundestag 2009! oder: Ein Konzept kostet ja nichts.

Mai 13, 2008 by silverblick

Es ist Frühling! Ganz offensichtlich. Das sieht man einerseits am Wetter, andererseits an den Nachrichten. Eine Partei nach der anderen kündigt eine umfassende, in rosa Zuckerwatte gepackte Steuerreform an (erst die CSU, dann die FDP). Das kann zwei Gründe haben: Entweder, es ist erster April. Soweit es nicht neuerdings innerhalb Deutschlands auch Zeitverschiebung gibt, würde ich diese Hypothese ausschließen. Bleibt nur noch eine Möglichkeit: Eine Wahl dämmert am Horizont. Da liegt also das Nagetier im Gewürz! Zufällig wird in diesen Gefilden nämlich im nächsten Jahr der Bundestag neu gewählt.

Und an den mannigfaltigen Ankündigungen von Steuerreformen kann man sehen, dass auch den Politikern das schon aufgefallen ist. Grundsätzlich haben die Reformkonzepte eins gemeinsam: Niedrigere Grundsteuersätze und höhere Entlastungen. Die CSU will die Steuerzahler um 28 Milliarden, die FDP um mindestens 25 Milliarden Euro jährlich (!) entlasten (jetzt hätte ich fast “erleichtern” geschrieben, ups.).

Nun eine ernst gemeinte Frage: Welcher vernünftige Mensch nimmt denen das ab? Gut, die Steuern wurden oft erhoben in letzter Zeit. Ja, ein paar Entlastungen wären nicht schlecht. Ok, der Staat hat in letzter Zeit Steuermehreinnahmen gehabt. Aber solch utopische Entlastungen kurz vor der Wahl? Wo der Staat hoch verschuldet ist, das Bildungssystem für den Arsch und die Arbeitslosigkeit immer noch viel zu hoch ist? Das wäre rein politisch gesehen dumm. Dumm ist auch das, wofür manche Menschen manche Wähler halten (war das diplomatisch genug?)…

Wie sagte Brecht so schön? “Die Verhältnisse, sie sind nicht so”. Da können sie auch gleich den Weltfrieden versprechen. Also, alles was es jetzt noch zur fluffig-flauschigen Steuerreform zu sagen gibt, frei nach Funny van Dannen: Schiebt den Wal zurück ins Meer!

D-eutschland, S-tresse D-eine S-änger!

Mai 11, 2008 by silverblick

Machen wir es kurz: Ich habe gestern die Entscheidung des Halbfinales von DSDS gesehen. (Asche auf mein Haupt..) Wer das schon mal gesehen hat, weiß, dass dort die Nerven sowohl der Kandidaten als auch der Zuschauer ständig strapaziert werden. Das was die da in drei Stunden machen, wäre auch in 45 Minuten machbar. Das geht frei nach dem Motto: Je länger der Song ist, desto mehr Geld gibt es von der GEMA. Nachdem eine Entscheidung viermal angekündigt und dreimal hinter einen Werbeblock geschoben wird, zieht der Moderator das Ganze noch unnötig in die Länge:

Und… bei der nächsten Show…<30 Sekunden Pause> hier bei Deutschland <10 Sekunden Pause> sucht den Superstar <30 Sekunden Pause> 2008 <20 Sekunden Pause>… usw.

Ich habe wirklich eigentlich keine Konzentrationsprobleme, aber ich bin in den Redepausen dieses Moderators tatsächlich einmal kurz weggenickt (soviel zum Thema Spannungsaufbau). Man muss da wohl mehr drin sein, um richtig mitzufiebern…

Die Sänger hingegen sehen aus, als würden sie am liebsten kotzen. Auf den Moderator. Zu Recht. Die sterben da vorn einen Tod nach dem anderen, während RTL zwischen “das nächste Mal dabei ist…” und den entsprechenden Namen noch eine zehnsekündige Werbung für Müsliriegel schiebt. Respekt! (…haben die offensichtlich nicht.)

Am meisten beeindruckte mich jedoch der Vortrag des Moderators vor der Entscheidung. Das ging frei nach dem Motto: ‘Eigentlich könnte man sagen, heute Abend gibt es nur Gewinner. Ihr seid alle großartig. Aber einer der drei wird heute Abend als Verlierer nach Hause gehen. Und er selbst hat jetzt überhaupt keinen Einfluss mehr darauf. Wer heute rausfliegt, für den geht ein Traum zuende. Jener wird sich noch sehr, sehr lange fragen: “Warum ich?” Und wahrscheinlich niemals eine Antwort darauf finden.’

Habt ihr schon einmal so etwas Deprimierendes gehört? Dagegen ist Woyzeck ja ein Ausflug ins Grüne (mal wieder das Niveau ein bisschen heben :)). Da stehen drei Leute theoretisch unter unglaubicher nervlicher Spannung. Und anstatt ihnen zu sagen: “Mensch, ist zwar nicht schön rauszufliegen, aber es gibt nicht nur RTL auf der Welt (na so was).”, kriegen sie zu hören: “Wer hier verliert wird in ein tiiiiiefes schwarzes Loch fallen und sich nie von diesem Schlag erholen.” Wie viel fake an der Show dran ist, ist ja eigentlich egal - die Botschaft dieses Abends ist jedenfalls nicht so der Brüller. Ich fasse zusammen: Wer bei RTL nichts wird, sollte schon mal das “Möchten sie Pommes zu ihrem Burger?” üben. Was für eine Selbstoffenbarung.

Vatertag, Katertag!

Mai 4, 2008 by silverblick

Dieses ungeschriebene Gesetz gilt nicht für Familienministerin Van der Leyen. Vor dem Sauf- und Rauftermin, für den einige Männer angeblich das ganze Jahr über trainieren, kritisierte sie schärfstens die vater- bzw herrentäglichen Sauftouren. Der Vatertag soll ein Familientag sein, wo der Vater mit seiner Familie etwas Schönes unternimmt. Ach ja, ist das nicht schön. Die Kinder schenken ihren Vätern dann irgendetwas nichtrosarotes auf Papier, eine selbstgemalte Harley oder weiß der Geier und dann nichts wie… Familienausflug.

In einem Punkt hat die Gute allerdings recht: die Unterschiede zwischen Vater- und Muttertag weisen auf eine Familienstruktur von gestern hin. Aber im Ernst: Wie soll man einen Tag, wo alle Jungs und Männer, die alt genug sind eine Bierflasche zu halten, ausziehen um zu saufen durch einen blumigen Familientag ersetzen?

Da passt vielleicht doch der Ausdruck aus dem nahen Osten (die DDR in diesem Fall) “Herrentag” besser. Dieser zeugt allerdings wieder einmal von guter alter unbeabsichtigter sozialistischer Ironie, denn was am Ende des Tages die Straßen entlang schwankt, sieht nicht unbedingt nach Herren aus. Herrlich!

Dann kam Frau Van der Leyen noch auf ihren Mann zu sprechen. Der Arme sag ich da nur: Er hat nämlich “Vatertagsblumen und Geschenke verdient und bekommt an diesem Tag auch besondere Aufmerksamkeit.” Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Dame ihre Kinder schon mehr als einmal in peinliche Situationen gebracht hat - was muss das für eine Pubertät sein… Es fiel nämlich auch der Satz, ihr Mann sei “eben nicht eine zweitklassige Mutter, sondern ein erstklassiger Vater”.

Interessant… Hm, ich war noch nie auf einem Herrentagsbesäufnis. Aber dass da soviel gesoffen wird, weil die armen Männer sich als zweitklassige Mütter abgestempelt sehen, würde mich gelinde gesagt schon überraschen.

Repräsentative Demokratie - wer soll hier wen vertreten?

März 22, 2008 by silverblick

Amerikas Vize Dick Cheney wurde interviewt. Soll ja vorkommen. Meistens kommen da ziemlich haarsträubende Sache bei raus. So auch diesmal (das nenne ich doch eine Einleitung :) Die Journalistin konfontierte ihn mit folgender Tatsache zum Thema Irakkrieg (ich hab das mal übersetzt):

Journalistin: Zwei Drittel der Amerikaner sagen, es ist es nicht Wert, zu kämpfen.

Cheney: Na und?

Das war wohl ein bisschen zu ehrlich. Achso, herzlichen Glückwunsch übrigens zum fünften Jahr Irakkrieg (der ja ursprünglich nur ein paar Wochen dauern sollte…)

Tanzkurs gefällig? Obwohl, ein Kurs im Motivieren wäre wohl passender

März 15, 2008 by silverblick

President George W. Bush ist in den letzten Zügen seiner Präsidentschaft. Jeder kennt dieses Gefühl. Man steht kurz vor dem Ende einer anstrengenden Mission. So gut lief es nicht und man denkt: Jetzt ist auch alles egal.

Bei ihm kann man das sehr deutlich beobachten. Er ist von einer fast bewundernswerten Lockerheit. Seine Reden werden auch immer seltsamer. Abschiedsstimmung.

Dann traf er sich noch schnell mit McCain um ihn offiziell bei seiner Kampagne zu unterstützen. Mit ihrer Vorgeschichte, eine merkwürdige Situation. Bei der Präsidentschaftswahl waren sie nämlich gegeneinander angetreten, und Mr. Georgie Walker hat ein paar gar nicht nette Dinge über McCain gesagt. Die offizielle Unterstützung fiel auch entsrpechend merkwürdig aus. Bush begann mit folgendem Satz: Vor einer Weile hätte vermutlich niemand geglaubt, dass John McCain hier heute als Kandidat der Republikaner stehen würde. Na das klingt doch… zweideutig. Sehr schön. Bush weiß eben, wie man Wählerstimmen gewinnt :) Dann wurstelte er etwas zusammen, so wie: Viel Glück, bist ein guter Typ. Mensch, jetzt kann ja nichts mehr schief gehen.

Eine Journalistin fragte dann McCain, ob er die Unterstützung von Bush aufgrund seiner schlechten Umfragewerte überhaupt für wünschenswert halte. Daraufhin produzierte er eine hübsche Zweideutigkeit: Ich würde mich sehr über seine Hilfe freuen, solange sein enger Zeitplan es erlaubt. Betonung auf Zeitplan. Fünf- bis sechsmal.

Naja, die Zeit der Fackelübergabe rückt näher. Time to pass the torch! Oder wie Jon Stewart es ausdrückte: “…the torch  that the preident most likely broke and glued back together hoping that no one would notice” .

Werte bitte an der Grenze abgeben, Sie erhalten unverzüglich ein paar neue Werte - oder: die deutsche Wertzeugkiste

März 15, 2008 by silverblick

Es kann auch keine Islamkonferenz zuende gehen, ohne dass irgendein Vogel wieder die Werterassel aus dem Katzenkorb fischt. CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer forderte gestern einen “Werteunterricht” für Kinder von Einwanderern (oder eingewanderte Kinder?). Etwas über andere Kulturen zu lernen ist ja durchaus lobenswert, aber wenn eine Politikerin in diesem Zusammenhang von einer “Unterweisung” spricht, könnte sie wohl selbst ganz gut eine gebrauchen.

Es klingt nämlich ein bisschen so, als ob den Menschen die deutschen, abendländischen oder was weiß ich Werte aufgedrückt werden sollen. Ich formuliere es mal vorsichtig: Diese Breiten sind nicht gerade für ihre tief verwurzelten Werte bekannt. Wir haben ein demokratisches System (man gibt sein Bestes), für die meisten ist das wohl noch nicht mal “ein Wert”. Ich weiß nicht, wen Frau Haderthauer vor Augen hat, wenn sie von Moslems spricht: Einen Extremisten oder einen Ehrenmörder? Man weiß es nicht. Aber das, liebe Generalsekretärin, ist nicht die Regel. Ich würde mal unterstellen, dass im Bereich Werte die meisten Moslems sehr viel großzügiger bestückt sind als unserereins.

Es ist auch immer so peinlich, Menschen von außerhalb in “christlich-abendländischer Tradition und Kultur” unterrichten zu wollen, wenn sie es nicht mal schaffen, die eigenen Leute in diesem Fach halbwegs fit zu machen. 

Dann gab es da noch eine sehr interessante Forderung: Frau Harderthauer kritisierte die “überdimensionierten” Moscheen. Es sollen nämlich keine Moscheen gebaut werden, wenn es um Macht geht. Geht es jedoch um Religionsausübung, ist das natürlich voll in Ordnung. Aha. Na dann, liebe Architekten: Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten, wenn sie eine Moschee entwerfen.

Gluderndes Terrorobjekt wird endlich erwachsen…

März 5, 2008 by silverblick

Ich entschuldige mich für meine lange Abwesenheit… Hier zum Trost eine kleine Kollage mit Politikersprüchen - absurd, absurder, Bundespolitik.

Hier geht’s lang. ;)

Kleptomanie in Verbindung mit Größenwahn - nicht gut.

Februar 18, 2008 by silverblick

Ich habe gerade eine interessante Meldung gelesen. Ein bisschen witzig war sie auch. Es geht um einen Diebstahl und zwar in Tschechien. Es wurde allerdings weder eine Handtasche, noch ein Auto gestohlen - sondern eine vier Tonnen schwere Eisenbahnbrücke.

Irgendwelche Metallfreunde haben sich da ordentlich bedient. Und zwar war sie offenbar so weit in der Pampa, dass niemand etwas davon gemerkt hat. Mich hat die Situation ehrlich gesagt ein bisschen an diese Robin Hood Verarsche erinnert, wo das Schloss weggefahren wird…

Wie auch immer. Wenn euer Nachbar neuerdings eine vier Tonnen schwere Eisenbahnbrücke im Vorgarten stehen hat, meldet euch bei der Tschechischen Polizei. Die freut sich über jeden Hinweis.

Like hope, but different

Februar 16, 2008 by silverblick

Hier ist eine Antwort auf das “Yes we can” Video, dass will.i.am für Barack Obama gemacht hat. Es geht um McCain. Ich find’s großartig :)

Enjoy!

Dazu fällt mir auch nichts mehr ein… Hilfe!

Februar 9, 2008 by silverblick

Liebe Leute, ich appeliere an euch und werfe euch hiermit ein Zitat von Wolfgang Schäuble vor:

«Deswegen sollten auch nicht immer neue Ehegatten herkommen, die kein Wort deutsch sprechen, die dann wieder diesen Prozess der Isolierung, der Ausgrenzung und am Ende der Benachteiligung und damit die Integrationsdefizite fortsetzen. Genau das wollen wir durchbrechen.»

Das einzige, was mir spontan dazu einfällt, ist: What the fuck? (Ich gebe mir nichtmal die Mühe, das F-Wort irgendwie zu zensieren…)

Ich meine, entweder heißt es soviel wie: Grenzen zu. Das wiederum klingt wie: Naaaa.. das würde ich vielleicht eher nicht machen :)

Oder es ist eine neue Version des Ehegattensplitting. Ok, Leute. Wir trennen uns jetzt mal alle und würfeln uns dann so lange wieder zusammen, bis immer ein Deutscher mit einem Türken zusammen ist. Hä?

Nur beim letzten Wort des Zitats muss ich ihm recht geben: Ja genau Herr Schäuble, “brechen” ist das Stichwort!