Nur eine kurze Anmerkung. Ich habe kürzlich Recherchen über Soziokultur angestellt. Offensichtlich weiß keiner so recht, wie dieses Wort definiert werden kann. Oder diejenigen, die für diese Definitionen verantwortlich sind, sind sehr sehr gehässige Menschen.
Ich zitiere: „Soziokultur lässt sich so als eine breitenkulturelle Praxisform mit sozialräumlicher Ausrichtung beschreiben“ — Zum Glück lässt sich das nicht einfacher sagen, wie zum Beispiel… hmmm… Soziokultur verbindet Angebote von Kunst und Kultur mit sozialer Arbeit. Was für ein Wort ist denn bitte Praxisform? Selbst Briefmarken sortieren ist eine Praxisform.
Naja, zum Glück kann es nicht schlimmer werden, oder etwa doch? Auf die Dauer lernt man schließlich, die Menschen nicht zu unterschätzen. Bitteschön: „Die Schnittstelle von sozialen, kulturellen und jugendarbeiterischen Prämissen stellt eine alltägliche Gleichzeitigkeit dar.“ Jugendarbeiterische Prämissen. Alltägliche Gleichzeitigkeit. Ich will niemandem auf die Füße treten, aber das klingt wie eine Übersetzung von Google. Dieser Satz ist wirklich das pompöseste, das ich je gehört habe. Und so herrlich sinnfrei! Ich nehme an, der normale Mensch würde hier etwas sagen wie: Soziokultur bildet die Schnittstelle von Kultur, sozialer Arbeit und Jugendarbeit.
Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, die formulatorische Kompliziertheit der definikativen Ausdrucksweise und das individualistische Streben nach pompösem Auftreten stellt bei einer signifikanten Anzahl von Individuen eine alltägliche Gleichzeitigkeit dar.
Schlagworte: breitenkulturelle praxisformen, definition, geschwollen, soziokultur
Oktober 11, 2007 um 12:30 |
Schön gesagt! Nicht nur pompös, sondern geradezu bombastisch!
Oktober 11, 2007 um 5:00 |
Danke für die Blumen
hab am letzten Satz auch eine Weile gefeilt…