Ein neues Kapitel in der Un-Serie: wie beschäftige ich un-tätige Sprachwissenschaftler?
Diese Frage ist einfach zu beantworten: Ich lasse sie über das Un-wort des Jahres entscheiden. Denn was braucht man mehr, als irgendeinen Un-sinn eines Politikers, Wirtschaftsbosses, Prominenten oder zwielichtiger Un-Gestalten zum hundertsten Mal wiederaufzuwärmen?
Das Jahr 2007 hat sich für das Un-wort “Herdprämie” entschieden. Das Wort kommt aus der Politik und war ein kleiner Gruß der Union (Un-ion?) zur Erziehungspolitik. Eltern, die ihre Kinder zu Hause aufziehen sollten eine extra Un-terstützung (das beginnt, Spaß zu machen mit dem Un…) erhalten. Schließlich kann man die meisten sozialen Probleme lösen, indem man Kinder von kleinauf isoliert.
Man kann übrigens mehr Arbeitsplätze schaffen, indem man jeden Monat ein Unwort wählt. Na, wie wär’s?
Schlagworte: herdprämie, unwort des jahres
Januar 18, 2008 um 12:20
Sprachwissenschaftler sind zwar generell unleidliche, langweilige Menschen, mit denen keiner was zu tun haben will und diese ganze “Un-Wort”-Sache ist reine (allerdings gelungene) PR. Ich würde aber schon sagen, dass es in einigen Fällen sinnvoll ist, sich über das Zustandekommen sprachlicher Termini Gedanken zu machen. Insbesondere wenn es so orwell’sche Dimensionen hat wie z. B. die Verwendung des Wortes “Freiheit” durch Neoliberale oder PATRIOT ACT für die teilweise Aufhebung der Verfassung. Ich glaube, die hatten mal “freiwillige Ausreise” (bedeutet Abschiebung) als Un-Wort – das dann macht schon auch Sinn…
Anm.: Übrigens würde ich an Deiner Stelle den netten, älteren Herren über mir mit seiner NPD-Unterstützerseite löschen…
Januar 18, 2008 um 2:29
danke, schon passiert!
seltsame menschen gibt es…
ja, über manche sprachmonster lohnt es sich, sich aufzuregen. man kann sich aber auch über worte aufregen, wenn sie gesagt weredn und nicht ein halbes jahr später, wenn ein paar sprachwissenschaftler mit unterstützung einiger spitzfindiger bürger sie wieder ausgraben.
was mich an der aktion aber hauptsächlich stört, ist diese sinnlose aufbauscherei. man redet in den meisten fällen nur über eine kleine ansammlung von buchstaben und schon kommt das in allen medien. genau dabei machen wir ja auch gerade mit – das finde ich so großartig an – im weitesten sinne – satire.
das ironische ist ja, dass unwort selbst schon ein totales unwort ist. wo wir gerade bei bedeutungen waren…
Januar 18, 2008 um 12:08
Klasse Beitrag! Nicht zu vergessen die politische Dimension der Affäre: Christsoziale Familienvorstellungen dürfen nicht durch Satire angetastet werden, DAS ist nämlich wahrhaft frauenfeindlich! Für’s Un-wort hätte ich ja einen Gegenvorschlag gehabt: “Gebärmaschine”, aber, ups, das war ja der Augsburger Bischof Mixa, das darf ja dann wohl nicht diskriminierend gewesen sein!
Januar 19, 2008 um 7:26
The Mixa’s a mixer’s a mixer!!
Danke, das stimmt. Hab übrigens Freitag mit nem Satiriker gesprochen. Seine Antwort auf “Frauen sind Gebärmaschinen” war “Mixa ist Gammelfleisch aus Bayern”. Denn wär unqualifizierte Bemerkungen macht, könne auch einmal eine unqualfizierte Äußerung vertragen…
Übrigens: Cassiopeia??!?