Es kann auch keine Islamkonferenz zuende gehen, ohne dass irgendein Vogel wieder die Werterassel aus dem Katzenkorb fischt. CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer forderte gestern einen „Werteunterricht“ für Kinder von Einwanderern (oder eingewanderte Kinder?). Etwas über andere Kulturen zu lernen ist ja durchaus lobenswert, aber wenn eine Politikerin in diesem Zusammenhang von einer „Unterweisung“ spricht, könnte sie wohl selbst ganz gut eine gebrauchen.
Es klingt nämlich ein bisschen so, als ob den Menschen die deutschen, abendländischen oder was weiß ich Werte aufgedrückt werden sollen. Ich formuliere es mal vorsichtig: Diese Breiten sind nicht gerade für ihre tief verwurzelten Werte bekannt. Wir haben ein demokratisches System (man gibt sein Bestes), für die meisten ist das wohl noch nicht mal „ein Wert“. Ich weiß nicht, wen Frau Haderthauer vor Augen hat, wenn sie von Moslems spricht: Einen Extremisten oder einen Ehrenmörder? Man weiß es nicht. Aber das, liebe Generalsekretärin, ist nicht die Regel. Ich würde mal unterstellen, dass im Bereich Werte die meisten Moslems sehr viel großzügiger bestückt sind als unserereins.
Es ist auch immer so peinlich, Menschen von außerhalb in „christlich-abendländischer Tradition und Kultur“ unterrichten zu wollen, wenn sie es nicht mal schaffen, die eigenen Leute in diesem Fach halbwegs fit zu machen.
Dann gab es da noch eine sehr interessante Forderung: Frau Harderthauer kritisierte die „überdimensionierten“ Moscheen. Es sollen nämlich keine Moscheen gebaut werden, wenn es um Macht geht. Geht es jedoch um Religionsausübung, ist das natürlich voll in Ordnung. Aha. Na dann, liebe Architekten: Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten, wenn sie eine Moschee entwerfen.
Schlagworte: csu, haderthauer, werteunterricht