Die meisten werden davon gehört haben – die Medien hatten auf ihre entzückend diskrete Art darauf hingewiesen – Venezuelas Präsident Hugo Chávez hatte den inzwischen berühmt-berüchtigten “Hitler-Vergleich” mit Angela Merkel gezogen. Nur noch einmal zur Erinnerung: “Die deutsche Kanzlerin, die der deutschen Rechten angehört, derselben Rechten, die Hitler unterstützt hat”. Tja, solche Dinge sagt man, wenn man provozieren will. Das, was meine Mutter gerne als “unsachlich” bezeichnet. Chávez hatte auch schon José Maria Aznar als Faschisten und George W. Bush mehr oder weniger als Teufel bezeichnet. So schließt sich der Kreis.
Sahra Wagenknecht von der Linken jedenfalls hat der internationalen Kritik an Chávez’ … nennen wir es Kritikophilie einiges entgegenzusetzen. Was Chávez gesagt habe, sei “historisch korrekt”. Ahja. Da wäre es auch historisch korrekt, zu sagen: Frau Wagenknecht kommt aus der selben Linken, die damals Flüchtende an der Mauer abknallen ließ. Huch, was haben wir denn da. Da stimmt doch was nicht. Fachleute bezeichnen so etwas als Anachronismus (in etwa, wie wenn man sich fragt, warum dieser Trottel von Kolumbus nicht einfach GPS benutzt hat). Man könnte hier aber auch einfach von “dumm” sprechen. Es handelte sich eben wie gesagt um eine – ich sage es gerne wieder – dumme Provokation. Dass die Rechte und Linke heute nicht dieselben sind wie vor Jahren, brauche ich wohl nicht dazu sagen. Denn wenn einer provozieren will, fragt er sich nicht “Ist das jetzt auch historisch korrekt?”, er fragt sich “Knallt das auch ordentlich rein?”.
Ich finde, wer an einer “historisch zutreffenden Darstellung” interessiert ist (ich will gar nicht erst damit anfangen, was Historiker allein schon zu diesem Begriff zu sagen hätten…), sollte sich eine Doku ansehen oder vielleicht sogar ein Buch lesen (meinetwegen auch Guido Knopp, wenn es sein muss). Dazu muss man sich keine Politisierereien irgendwelcher Staatschefs anhören.
Schlagworte: anachronismus, chávez, historisch korrekt, wagenknecht
Mai 18, 2008 um 12:24
So schön hat noch Niemand Anachronismus erklärt
Bei Columbus wäre es allerdings besser gewesen, wenn er im Atlantik ertrunken wäre.
Mai 18, 2008 um 1:39
danke!
ja, dann würde George Bush heute über die Sioux regieren
Mai 18, 2008 um 4:00
Ich würde meinen, dass jede/r, als auch ein venezolanischer Präsident oder eine Sahra Wagenknecht, prinzipiell das Recht hat, Blödsinn zu reden – aber nicht unbedingt die Pflicht, dieses Recht wahrzunehmen. Die Frage, die sich mir stellt: Was wollen sie mit denn ihrer Provokationen erreichen – wenn sie denn eigentlich wissen, dass sie blöd sind? Und: gleiches Recht für alle, Dummheiten zu verbreiten, würde ja voraussetzen, dass man alle Dummheiten gleich laut hört (Horrorvorstellung) – nicht nur die von prominenten Dummschwätzern. Folglich haben venezolanische Präsidenten und Wagenknechts weniger Recht als ich, Blödzeug von sich zu geben – weil man sie hören kann!