Kaum ist der sogenannte Armutsbericht draußen, schon werden Stimmen laut, die ihn relativieren. Und das kommt von ganz überraschender Seite (ungefähr so überraschend wie Hasen zu Ostern): Von der CDU und dem Institut für Wirtschaftsforschung. Direkt aus dem Volk quasi.
Was die CDU in Person von Ronald Pofalla angeht, so distanziert sie (bzw. er
) sich erst einmal von dem Bericht. Der basiere ja auf Zahlen von 2005, zeigt also die Untaten der Rot-Grün-Regierung auf. Naja, ich bin ja der Ansicht, nicht einmal Gerhard Schröder kriegt das Land in 7 Jahren allein so arm, wie es der Bericht behauptet. Überschätzt den armen Menschen nicht, da haben durchaus noch andere mitgeholfen als die damalige Regierung… Zitat Pofalla zumindest: „Es geht aufwärts.“ Jep, aber sagen wir mal so: Ein Treppenabsatz ist noch kein Hochhaus. Außerdem geht es darum, ein Problem anzuerkennen und zu überlegen, was man dagegen tun kann, es geht nicht darum, wem man das Problem anhängen kann und zu sagen: Naaa, es passiert ja schon was.
Da kommt auch ifo-Chef Werner Sinn ins Spiel: Die Menschen sind ja gar nicht so arm. „Kaum jemand, der sich in Deutschland legal aufhält ist arm“, schrieb er in einem Beitrag. Schon mal U-Bahn gefahren? Naja, ich will ihm ja jetzt auch kein abgehobenes, zynisches Snobtum vorwerfen (wobei „will“ vielleicht nicht das richtige Wort ist). Jedenfalls ist er der Ansicht, der Report sei falsch. Und zwar weil dort die von Armut gefährdeten als Arme mit hinein gezählt wurden (Ja, er liebt die Gefahr). Nach amtlicher Definition seien nur etwa 4 Prozent der Deutschen arm.
Oh, wie schön man am Problem vorbeischwafeln kann. Von Armut gefährdet, das betrifft doch immernoch Leute, denen es finanziell schlecht geht. Es geht hier nicht um ein Armutsrisiko nach dem Motto: Wenn mein Haus abbrennt, mein Butler mit meiner Familie in meinem Auto durchbrennt, der Euro auf einmal wertlos ist und die Schweiz explodiert, dann, dann bin ich arm.
Und ist es nicht eigentlich völlig egal, wer nach amtlicher Definition arm ist und wer sich nur von Weitem schon mal mit dem Hungertuch anfreundet? Was die Herren die ganze Zeit versuchen, nicht zu sagen, ist: Wir haben ein Problem und keine Ahnung, wie wir es lösen können.
Schlagworte: armut, armutsbericht, cdu, deutschland, ifo, ronald pofalla, werner sinn
Mai 27, 2008 um 7:16 |
„Was die Herren die ganze Zeit versuchen, nicht zu sagen, ist: Wir haben ein Problem und keine Ahnung, wie wir es lösen können.“
Vielleicht auch: Wir erkennen das Problem einfach nicht als Problem an, dann müssen wir es auch nicht lösen…
Man (ich) freut sich schon richtig auf Deutschland: Das Land des sinnlosen Geschwalles. Fehlt mir schon richtig und ich werde gleich nach meiner Rückkehr erst mal AnneWill gucken… Nur schade, dass es nicht möglich ist, aus so viel heisser Luft Energie zu produzieren.
Mai 27, 2008 um 8:25 |
Hm, das kann auch sehr gut sein.
Ja, da wirste deine helle Freude haben, wenn du wieder hier bist – im Moment sind die Schwafler und Schwurbler in der Mauser. Das Gefühl habe ich jedenfalls.
Ich habe da aber auch eine Theorie, wo das herkommt. Schon in der Uni kriegt man ja Texte vorgelegt, die von Formulierungen strotzen, wie:
„…das sich durch einen Zug zur Vereinfachung UND zur Reduktion von Komplexität zu erkennen gibt.“
Ich glaube „Reduktion von Komplexität“ ist das Schlüsselwort.