Manchmal, wenn man einen Verwaltungstext (egal von welcher Behörde) liest, bekommt man ja schlicht die Krätze von den schwirbeligen und schwurbeligen Deutsch, das man da entziffern muss. Entweder, der geschätzte Leser versteht kein Wort. Oder er muss sich schlicht durch Berge von Papier hindurchlesen, um hinterher festzustellen, dass das alles auch auf eine halbe Seite gepasst hätte. Oft genug drängt sich auch das Wort “Unsinn” auf, wie in diesem poetischen Meisterwerk der Deutschen Post:
“Der Wertsack ist ein Beutel, der aufgrund seiner besonderen Verwendung nicht Wertbeutel, sondern Wertsack genannt wird, weil sein Inhalt aus meheren Wertbeuteln besteht, die in den Wertsack nicht verbeutelt, sondern versackt werden.“
So ist das nämlich. Wer sich allerdings beim Anblick solcher Papierverschwendung in frühere, einfachere Zeiten zurückwünscht, muss sich leider sehr, sehr weit zurückwünschen. Ein paar hundert Jahre reichen da nicht. Mir ist nämlich heute Folgendes begegnet: Ein Nürnberger Ratsbeschluss aus dem Jahre 1524 (wem passiert das nicht hin und wieder
). Und hier ist er. Eine kleine Warnung vorweg: Er ist leider in aus heutiger Sicht fürchterlichem Deutsch und zu Allem Überfluss noch in 500 Jahre altem Fränkisch verfasst (So kann ich gleich einem Einblick in meine – gezwungermaßen – Sonntagvormittagsbeschäftigungen bieten…)
“Herrn Bernhart Sammat auf sein antwurt und bekandtnus, das er gesagt, er schiß in die neuen ordnung der meß, von rats wegen ain strafliche red sagen, das ein rat des ein merklich mißfallen von ihm hab, hett ine als ein priester fur weyser gehalten, darum soll er sich hinfuro dergleichen ungeschickten reden enthalten oder er werd ein rat bewegen, ir mißfallen gegen im zu erzaigen.“
Eine interessante Veranlassung, ein offizieller erhobener Zeigfinger sozusagen. Das Beamtendeutsche daran? Naja, die Aussage, “ich scheiße auf die neuen Verordnungen” als “ungeschickte Reden” zu bezeichnen… Sagen wir, das ist eine etwas eigentümliche Interpretation. Dabei hätten sie ja einfach schreiben können, der Gute soll sich vom Acker machen, wenn’s ihm nicht passt
Oder um in damaligen Zungen zu sprechen: Er soll sich furderlich von hinnen thun und sein gelt anderßwo zern.
Schlagworte: beamtendeutsch, mittelhochdeutsch, verwaltungsdeutsch
Juni 9, 2008 um 10:56
“Papierverschwendung” ist vielleicht noch untertrieben. Für so was werden wahrscheinlich halbe Regenwälder abgeholzt.
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