Wie übersteht man unbescholten ein Verhör? – Lebensnahe Beratung aus Washington

By silverblick

Wieder einmal wurden in den USA Regierungsbeamte zu den Machtmissbräuchen in der Justiz der laufenden Administration befragt. Das ist immer ein Highlight der Fernsehunterhaltung für jeden Zyniker und auch für Kleinkriminelle, die sich eventuell auf ein bevorstehendes Verhör vorbereiten wollen. Wirklich erfahren tut man nicht besonders viel.

Es ging um sehr unterschiedliche Themen, unter anderem auch um Verhörmethoden gegen die Vorschriften. Die Beamten, die sich von vornherein weigerten auszusagen, waren wahrscheinlich noch die ehrlichsten im Stall. Denn jene, die aussagten, hatten nicht wirklich vor, etwas Brauchbares von sich zu geben. Überraschenderweise wurden wieder einmal die Grenzen des menschlichen Geistes vorgeschoben. Sätze wie “Daran kann ich mich nicht erinnern”, “Das ist doch schon so lange her”, “Ich habe mit diesem Thema so viel zu tun gehabt, ich weiß nicht mehr, was genau ich da gemacht habe” usw waren en masse zu hören.

Als das selbst den Befragten etwas albern vorkam, wurden die Ausreden interessanter. Mein persönlicher Lieblingsspruch stammt hier von David Addington: “I can’t talk to you, Al-Qaeda may watch C-Span (= Sender, auf dem das übertragen wurde).” Der ist doch schön oder?

Doch das waren eigentlich nur die Vorläufer. Es wurde nämlich noch ein illustrer Gast erwartet: John Ashcroft, US Attorney General (quasi Justizminister) von 2000 bis 2004. Der müsste ja eigentlich ziemlich ziemlich viel zu sagen haben, oder? Richtig: “Any statement I did or did not make or would or would not make in a classified setting I would not comment on.” (Zu Deutsch in etwa: Kräht der Hahn auf dem Mist ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.) Man merkt also schon, dass hier der Vorgesetzte spricht, und zwar anhand der Menge an Unsinn, den er einem, nun, vorsetzt. Am allerbesten gefiel mir allerdings dieser Satz (auch von Ashcroft):

I must admit that it’s been difficult sometimes for me to distinguish what I in fact recall as a matter of my own experience and what I remember from the accounts of others.” Also mein Gedächtnis ist nicht das beste, aber für gewöhnlich kann ich auseinander halten, was ich gemacht habe und was andere mir erzählt haben. Aber ich denke, ich kann da weiter helfen. Die Erinnerung, wo Sie mit letzter Kraft einen goldenen Ring in die Feuer des Schicksalsbergs warfen, das waren Sie nicht. Das müssen Sie irgendwo gelesen haben. Und die Erinnerung, wo Sie verhört wurden und zwar mit einem Elektroschocker, das waren Sie auch nicht. Die Erinnerung, wo Sie die Anweisung dazu unterschrieben haben, das könnten Sie eventuell gewesen sein. Wenn nicht irgendein dummer Praktikant den Kopierer mit dem Aktenvernichter verwechselt hätte, wäre das vielleicht auch noch nachprüfbar…

Doch Scherz beiseite. Was diese Befragungen aussagen ist ja irgendwie, dass es sich um einen ziemlich dicken Hund handeln muss, den sie da in der Röhre haben. Schließlich haben hier reihenweise Regierungsbeamte freiwillig ihre mentalen Unzulänglichkeiten vorgeschoben – das machen sie sicher nicht aus Spaß. Naja, aber lieber senil als vorschriftswidrig, nicht wahr? Schade ist bloß, dass Kleinkriminelle aus diesen Befragungen nur wenig lernen können, weil diese mit solchen Antworten nicht weit kommen würden.

PS: Keine Angst, ich bin mit dem Konzept der Immunität vertraut – man muss mich da nicht so ernst nehmen (reine Vorsorge meinerseits :) ).

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