Heute tritt das Gesetz zum Einbürgerungstest in Kraft. Jeder, der einen deutschen Pass haben möchte, muss diesen Test bestehen. Aus 310 Fragen (10 davon zum betreffenden Bundesland) werden 33 ausgewählt, 17 müssen richtig beantwortet werden. Das ist also der umstrittene Einbürgerungstest. Ich denke, die Deutschen können sich glücklich schätzen, dass, sie ihn nicht bestehen müssen, sonst hätten wir RuckZuck einen Ausbürgerungstest.
Da müsste man eher Fragen zum Fernsehprogramm stellen, zum Beispiel die im berühmt-berüchtigten Erstwählercheck bewährte Frage: Was heißt GZSZ? Zu mehr reicht es wohl nicht. Sonst hätten wir in Deutschland bald nur noch Klugscheißer, Patrioten, Akademiker, alte Menschen und Quizfreunde. Wie schön.
Doch kommen wir zurück zum Test und werfen wir einen Blick auf die Fragen (diese akademische Wir-Form hat was für sich oder?). Wer nachlesen und seine Deutschigkeit (?) testen will, hier lang. Nach dem Lesen der Fragen bin ich mir sicherer denn je, dass in Deutschland nicht einmal die Hälfte der Leute diesen Test bestehen würden. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass ein Schüler nach der 10. Klasse Sozialkunde die besten Voraussetzungen hat.
Ein paar Beispiele: Frage 3: Deutschland ist ein Rechtsstaat. Was ist damit gemeint? Ich glaube, Politikwissenschaftler versuchen seit Jahren, das herauszufinden. Eine schwierige Frage also. Eine sehr schöne Frage auch Nummer 23: Wenn man in Deutschland ein bestimmtes Alter erreicht und aufhört zu arbeiten, was bekommt man dann meistens? Ich hoffe, diese Frage wird regelmäßig aktualisiert… Dann gibt es noch die berühmten verneinten Fragen mit unterstrichendem nicht in der Fragestellung, die meiner Meinung nur da sind, um den Menschen zu verwirren. Gar nicht nett. Dann geht es da um Dinge, die eigentlich kein Mensch wissen muss, wie die 59: Welche Parteien wurden in Deutschland 2007 zur Partei „Die Linke“? Oder wie 298: In der DDR lebten vor Allem Migranten aus… Die verstehe ich nun wirklich nicht.
Natürlich der absolute Renner: Abkürzungsfragen. Am lustigsten sind die Antwortmöglichkeiten für 76 und 92, CDU und CSU: Club Deutscher Unternehmer und Christlich Süddeutsche Union. Warum so ehrlich, lieber Bund? Ich hätte da auch noch ein paar Vorschläge… Dann bei Frage 95 der Vorschlag, die Schweigepflicht für Kinder einzuführen. Ich wusste gar nicht, dass die Familienministerin auch bei den Fragen mitgeholfen hat… Dann kommen pflichtbewusste 14 Hitlerfragen, bis wir zum zentralen Punkt kommen. Frage 264: Bei welchem Fest tragen Menschen in Deutschland bunte Kostüme und Masken? Diese Frage ist wirklich unentbehrlich, das sehe ich ein. Und nein, das ist keine Politikfrage.
So. Das war ein kleiner Überblick. Man kann ja über den Test denken, was man will, aber eins ist sicher. An das immer wieder gern zitierte „Wir Deutschen sterben aus“-Problem hat beim Erstellen dieses Tests sicher keiner gedacht. Ich bin ja der Meinung, wenn so ein Test schon sein muss, sollte er eher vor den Wahlen an Wähler verteilt werden, als an solche, die den deutschen Pass haben wollen, aber das ist wohl eine andere Geschichte.
Schlagworte: deutschland, einbürgerungstest, staatbürgerschaft
Oktober 2, 2008 um 11:22 |
„Nummer 23: Wenn man in Deutschland ein bestimmtes Alter erreicht und aufhört zu arbeiten, was bekommt man dann meistens?“:
Wieviele werden antworten: Einen Bierbauch?