Sturm Gustav bedrohte die US-Küste, besonders der Bundesstaat Louisiana war betroffen. Man könnte sich jetzt natürlich darüber aufregen, dass die Zerstörungen nachrichtenmäßig ziemlich unter den Tisch fielen, da der arme Gustav im ständigen Vergleich mit seiner großen Schwester Katrina einfach nicht mithalten konnte. Doch darüber werde ich mich nicht aufregen. Parteipolitisch erregte der Tropensturm nämlich sehr viel mehr Aufsehen. Gustav kam schließlich pünktlich zum Parteitag der Republikaner. So galt es also in einer Art Katrina-Doublette all das zu tun, was die Bush-Regierung bei Katrina versäumt hatte: Aufmerksamkeit und Mitgefühl zeigen, größte Verwüstungen zu verhindern versuchen und Geld sammeln für die Opfer des Sturms. Dass sie sich dabei fast ausschließlich auf New Orleans konzentrierten, obwohl es ja, oh Wunder, noch ein paar mehr Städte gibt in Louisiana, lassen wir auch außen vor. Wahrscheinlich haben sie bloß den Song “Oh Susanna” gehört, da kommt ja wirklich nur New Orleans vor…
Und schon wurde nach Herzenslust politisiert. Gustav “could be an enourmous opportunity for Republicans”, bemerkte zum Beispiel Pat Buchanan, GOP. Carl Rove, ehemals Berater des Präsidenten, erklärte die Situation auf seine Art: “You can understand the desire of the politicians running for office to show empathy.” Ich sehe schon, es ist Zeit für wahre Gefühle. Darum wurde letztendlich nämlich auch das Programm des Parteitages zusammengekürzt und statt dessen Geld gesammelt. Eine große Geste. Zu diesem Thema lieferte vielleicht-bald-Präsident McCain einige Sätzchen ab, die ich gern mit einem unterdrückten Grinsen in den Raum stellen möchte…
“We have to do away with our party politics and we have to act as Americans.”
“This is just one of those moments in history where you have to put America first.”
Und, für unsere jungen Leser: “We take off our Republican hats and put on our American hats.”
Ich sage ja immer wieder: Differenzieren ist unglaublich wichtig. Nur eine Frage: Was ist denn jetzt eigentlich unter diesem Hut, egal welchem? Vielleicht will man es nicht wissen. ‘Und wie sieht so ein “unparteipolitisches” Gebärden aus?’, fragt man sich als nächstes. Na so zum Beispiel. Auftritt Gov. Ride Perry (GOP): “You’re seeing republican governors in, I think in republicans states doing a fabulous job of taking care of the citizens. That’s what we do.” Schön. Obwohl, eins muss man ihm lassen: Er hat sich zurückgehalten, da hätten noch mindestens zwei “republican”s reingepasst. Aber man kann den Herren ja nicht dafür verurteilen, vielleicht hat er einfach ein sehr zielsicheres Tourette-Syndrom.
Jedenfalls waren nicht alle einverstanden mit “America first”. Jason Jones von der Daily Show fand unter den in St. Paul beim Parteitag zurückgelassen Parteifreunden jemanden, der folgendes Statement vom Stapel ließ:
“I don’t understand why it is that all of a sudden you can’t tell the truth about Barack Obama because some people are getting rained on.”
Naja, man muss ja nicht alles verstehen, nicht wahr?
Schlagworte: GOP, Gustav, john mccain, Parteitag, Politisierung, Präsidentschaftswahl, Republikaner, St. Paul, Tropensturm, usa